Weihnachten bei Heumilchbauer Andreas

Sobald Weihnachten da ist, spüren das Stern, Glocke und meine anderen Grauviehdamen ganz genau. Denn unsere Heumilchkühe sind fixer Bestandteil der Feierlichkeiten an diesem besonderen Tag. Mit ein Grund, warum das Christkind bei uns ein bisschen später kommt. Aber lasst mich von Anfang an erzählen...

Schon am Vormittag des 24.12. duftet es in unserer Küche köstlich. Für das traditionelle Tiroler Weihnachtsgericht, Nudelsuppe mit Würstel, stellt meine Frau Carolin einen Topf mit Suppe auf. Ein richtiges Festtagsessen braucht aber noch ein bisschen mehr. Deshalb werden parallel die „Blattl‘n“ für süße Zillertaler Krapfen ausgerollt und der traditionelle „Hazastoll’n“ geschichtet. Während ich im Familienbetrieb, dem Auenhotel in Tux, arbeite, besucht Carolin nachmittags mit unseren Kindern Anna, Lisa und Moritz die Kinderweihnachtsandacht in der Pfarrkirche.

Weihnachten im Stall

Zurück am Hof geht es für mich direkt zur Stallarbeit. Aus diesem Grund findet Weihnachten bei uns etwas später als in anderen Familien statt. Meine kleine Herde bekommt nämlich auch etwas Besonderes: Neben schmackhaftem Heu gibt es für unsere Heumilch-Kühe eine Mischung aus geweihten Kräutern und Salz. Die Kräuter stammen vom Hohen Frauentag am 15. August und sollen Segen und Schutz für die Tiere bringen. Diese Tradition wird übrigens in den Rauhnächten am 31. Dezember und 5. Jänner wiederholt.

Brauchtum und Genuss

Etwa um Viertel vor acht treffen wir uns im Haus und beginnen mit dem Räuchern: Zuerst werden alle Personen mit Weihrauch und Weihwasser gesegnet. Danach folgen die Räumlichkeiten im Haus, der Kuh- und Ziegenstall mit allen Tieren und auch unsere Fahrzeuge. Das Räuchern ist nicht nur ein gut duftendes und schönes Ritual, sondern wirkt auch gegen Viren und kleines Ungeziefer. Gereinigt und unbelastet, so der Glaube an dieses Brauchtum, startet man ins neue Jahr.

Nun wird es für Anna, Lisa und Moritz besonders spannend: Zurück im Haus warten sie ganz gespannt, bis das Christkindl in unserer Stube das Glöckchen läutet. Ich vermute ja, dass wir es auch in diesem Jahr nicht sehen werden. Aber das trübt die Stimmung nicht, denn dann wird noch gemeinsam gebetet und gesungen, bevor der richtig gemütliche Teil des Abends beginnt. Etwa um halb neun genießen wir unser Weihnachtsmenü, packen die Geschenke aus, sitzen zusammen und freuen uns über die gemeinsame Zeit.

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