Evolèner

Kennzeichen: Die Tiere sind kleinrahmig mit feinem Knochenbau, besitzen aber trotzdem eine kräftige Bemuskelung. Charakteristisch sind der kurze Kopf und die rote, kastanienbraune oder schwarze Grundfarbe mit weißen Flecken. Wie die nahverwandte Rasse der Eringer weisen auch Evolèner Kühe eine starke Halsbemuskelung auf, die bei anderen Rassen nur bei Stieren in dieser ausgeprägten Form vorkommt. Die Beine sind kurz und kräftig, die Klauen hart und widerstandsfähig. Rassetypisch sind auch weiße, außerordentlich kräftige Hörner.

Eigenschaften: Die Evolèner zählen zu den typischen Zweinutzungsrassen für die Milch- und Fleischproduktion im Berggebiet. Ihre Milchleistung ist trotz der oft widrigen Bedingungen – sei es klimatisch oder durch Extensivweiden – ansprechend. In der Fleischproduktion erzielen die Tiere wegen ihrer Feingliedrigkeit eine hohe Ausbeute. Geprägt durch die Höhenlagen im Stammzuchtgebiet sind die Tiere hervorragend für die Alpung geeignet, da sie trittsicher und robust gegenüber Temperaturschwankungen sind. Leichtes Abkalben gehört ebenfalls zu den Eigenschaften der Rasse. Die Evolèner gelten als temperamentvoll und kampflustig, dies wurde aber in der Zucht nicht so stark berücksichtigt wie bei ihren nahen Verwandten, den Eringern.

Zuchtgeschichte: Evolèner und Eringer haben die gleiche Abstammung. Der Ursprung dieser Rinder liegt bei den Rindern der Pfahlbausiedler der schweizerischen Voralpenseen, bei denen beide Rassen bis 1885 gleichgestellt waren. Ab diesem Zeitpunkt wurde jedoch bei den Eringern Einfarbigkeit propagiert und die gefleckte Variante der Rasse, d.h. die Evolèner, an den Rand gedrängt. Lediglich in Evolèn, einem Dorf im Val d’Hérens und in einigen benachbarten Gemeinden konnten sich gescheckte Bestände erhalten. Die Züchter, die an den gefleckten Tieren festhielten, selektionierten in der Folge nicht auf den Kuhkampf, sondern hielten am kleinen Zweinutzungsrind fest. Durch die unterschiedliche Selektion entstanden aus dem gleichen Ursprung zwei Rassen. Die Rasse war vom Aussterben bedroht, erst seit den 1990-iger Jahren kam es wieder zu einer Verbreitung der Population, wenn auch nur in einem kleinen Umfang.