Weiß-blaue Belgier

Kennzeichen: Weiß-blaue Belgier sind mittelgroße, schwere Rinder mit extremer Muskelausbildung an Schulter, Rücken, Lende, Becken und Keule. Es kommen drei Farbtypen vor: weiß, blau-weiß und schwarz-weiß gescheckt. Die Haare sind kurz und bisweilen auch stichelhaarig. Der lange Kopf ist tief angesetzt, die kurzen Hörner sind stumpf und leicht nach vorn gebogen.

Eigenschaften: Diese spätreife Rasse hat eine schnelle Muskelentwicklung mit hohen Wachstumsraten. Grund dafür ist eine natürliche Genmutation in dieser Rasse, wodurch die Bildung des Proteins Myostatin fehlt. Myostatin ist für die Hemmung eines unkontrollierbaren Muskelwachstums verantwortlich. Fehlt dieses Protein, kommt es zu einer übermäßigen Ausprägung der Muskelmasse, der sogenannten Hypertrophie. Tiere mit dieser Genveränderung werden auch als Doppellender bezeichnet. Diese Genmutation hemmt auch den Fettansatz, sodass das Fleisch der Weiß-blauen Belgier sehr mager ist. Nachteilig wirkt sich diese extreme Bemuskelung auf den Geburtsverlauf aus, sodass bei reinrassigen Tieren eine Geburt auf natürlichem Wege zumeist nicht möglich ist und daher oftmals mittels Kaiserschnitt erfolgt.

Zuchtgeschichte: Das ursprüngliche Zuchtgebiet erstreckt sich in der südlichen Hälfte von Belgien und im Nordosten Frankreichs. Die Rasse entstand aus zwei Landschlägen, in die im 19. Jahrhundert die Rassen Shorthorn und Charolais eingekreuzt wurden. In den 60er- und 70-er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde verstärkt auf Hypertrophie selektiert und diese Genmutation in der Population fixiert. Stiere dieser Rasse werden derzeit in vielen Ländern, so auch in Österreich, häufig für Gebrauchskreuzungen mit Kühen von milchbetonten Zweinutzungsrassen eingesetzt.